„Ich glaube, am Reformationstag da geht es irgendwie um Reformen!“ Antwortet jemand, als er nach Bedeutung und Inhalt dieses Tages befragt wird. Im Augenblick redet alle Welt von Reformen! Da ist von Steuerreform, Strukturreform, Arbeitsmarktreform oder von Reformkurs die Rede. Reformideen und Reformpapiere machen die Runde. Auch in der Kirche sind Reformen an der Tagesordnung. Aber am Reformationstag feiern wir nicht diese neuen Reformideen, sondern den Geburtstag der evangelischen Kirche.

Wir denken an den ersten Reformationstag vom 31. Oktober 1517. Der Mönch Martin Luther prangerte in 95 markanten Sätzen die Missstände seiner Kirche an. Dabei ging es ihm um den Glauben und vor allem darum, dass Christus im Mittelpunkt dieses Glaubens steht. Davon war Martin Luther durch das Lesen der Bibel überzeugt: Um an Gott zu glauben, braucht ein Mensch kein Gängelband von kirchlichen Gesetzen und auch keine eigenen Leistungen vorweisen. Vielmehr muss er sich bewusst werden, dass er in seinem Leben auf Gottes Liebe angewiesen ist.

Er nannte das in seiner ersten These „Buße“ und meinte damit die Umkehr vom selbstgerechten Weg und eine bewusste Hinwendung zu Gott. Für ihn bedeutete das, der Mensch versucht nicht nach eigener Fasson selig zu werden, sondern verlässt sich im Leben und im Sterben auf Gott. Diese Hinwendung zu Gott ist keine einmalige Angelegenheit, sondern muss immer wieder neu geschehen, jeden Tag.

Auch die Erneuerung und Reform der Kirche ist keine einmalige Sache, sie ist eine bleibende Aufgabe für alle, die zur Kirche gehören. Die Reform der Kirche beginnt aber nicht irgendwie allgemein, sondern immer ganz konkret bei jedem einzelnen Menschen.

So war das auch bei dem ersten Reformationsfest. Die Reform der Kirche begann damals mit der Veränderung des Glaubens bei dem jungen Martin Luther. Spätestens seitdem wissen wir: Im Glauben an Gott kann ein einzelner Mensch das Gesicht einer ganzen Kirche verändern. Am Beginn steht dabei die Hinwendung zu Gott, so wie es jemand es in einem alten Gebet formuliert hat: „Herr baue deine Kirche neu! Und fange bei mir damit an!“

Zum Nachlesen in der Bibel: Römer 3 Vers 21-24

Dr. Detlef Klahr, Emden

 

Foto: Ulf Harbs