In der Ökumene

Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen der Gemeinschaft Evangelischer Zisterzienser-Erben und dem Zisterzienser-Orden lassen auf anschauliche Weise das tiefe Geheimnis der Kirche Christi sichtbar werden. Die Kirche ist wie ein großer Strom, der sich unterwegs verzweigt, um immer neue Zeiten und Räume zu bewässern. Niemals aber wird er die gemeinsame Quelle, Christus, vergessen, noch das gemeinsame Ziel, den Ozean, aus den Augen verlieren, wo alle Arme des Stromes in die tiefe und weite Einheit münden, die alle versammelt und versöhnt, Symbol des väterlichen Herzens Gottes. Das Zisterzienser-Charisma ist eines der Charismen, die in diesem Strom fließen. Ein Charisma, das sich der Ausschließlichkeit, der Liebe zu Christus nichts vorzuziehen, geweiht hat, wie es die Regel des heiligen Benedikt fordert (4,21), ganz konkret in den gemeinschaftlichen Beziehungen und im Dienst der ganzen Menschheit.

Ein Charisma ist Geschenk und Erbe, das heißt, ein Geschenk, das weitergegeben wird, so wie eine Familie Leben und Vermögen von Generation zu Generation weiter gibt. Ein Leben, das hingegeben, ein Vermögen, das geschwisterlich geteilt werden soll. Ein Leben, das neues Leben hervorbringt, ein Vermögen, das Neues baut, das Menschen aufrichtet und Räume der Kultur, der Menschlichkeit schafft, in denen die Person wachsen und ihrerseits wieder Mutter und Lehrerin neuen Lebens und neuer Kultur werden kann. In diesen Lebensstrom, in diesen Strom menschlicher Kultur hat die Zisterzienser-Bewegung im Verlauf der Zeit in verschiedenen Gebieten Orte der Menschlichkeit gepflanzt, die ihr Charisma und damit ihr Leben und Erbe während Jahrhunderten weitergegeben haben. Orte, die Zeiten der Gnade und der Schwäche, Zeiten der Geburt und des Todes, der Eintracht und der Zwietracht durchgemacht haben, wie das in jeder Familie vorkommt. Und dennoch: Die Weitergabe des Lebens und des Erbes wurde durch die Dramatik dieser Geschichte wie durch ein Wunder niemals abgebrochen, immer wieder kam es zu neuer Blüte und Fruchtbarkeit. Oft verlief der Strom dieses Charismas unterirdisch, unsichtbar, sogar während Jahrhunderten. Manchmal gab es innerhalb dieser Familie parallele Entwicklungen, geprägt von Gleichgültigkeit und innerer Entfremdung, ja sogar von Feindseligkeit, wie in der Kirche auch. Immer wieder jedoch fand man zurück zur Brüderlichkeit, auf wunderbare Weise erkannte man sich wieder als Person und Orte, durchdrungen von einem gemeinsamen Lebens- und Kulturerbe, das es weiter zu geben galt.

fr. Mauro-Giuseppe Leprori Ocist
GENERALABT DES ZISTERZIENSER-ORDENS, ROM

Quelle: Kirchen und Klöster der Zisterzienser| Das evangelische Erbe in ökumenischer Nachbarschaft
Paul Geißendörfer (Hg.),Kunstverlag Josef Fink, Seite10

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