Ein Sommer voller Gnade

Es war für viele ein „heißer“ Sommer, wohl wahr. Im Blick auf die Wetterlage und wohl auch sonst.

Doch nun, da die Tage erträglicher werden, können wir den späten Sommer noch genießen. Milde Tage, mit späten Blüten, mit Früchten am Baum und einem vielleicht „goldenen September“.

Der Theologe und Liederdichter Paul Gerhardt hat die Freude über den Sommer in seinem bekannten Sommerlied wunderbar zum Ausdruck gebracht:
„Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben. Schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben“ (Evangelisches Gesangbuch 503,1).

Für mich gehört dieses Lied mit seinen 15 Liedstrophen einfach zum Sommer dazu. Dieses Lied, das Paul Gerhardt im Jahr 1653 dichtete, kommt so frisch und fröhlich daher. Dabei war die Zeit, als er dieses Lied dichtete, alles andere als schön und leicht. Als Pastor und Familienvater hatte er selbst viel Lied erfahren. Das Wüten und die Gräuel des Dreißigjährigen Krieges wirkten immer noch in seinem Leben nach.

Trotzdem oder gerade deshalb wendet er seinen Blick um so dankbarer in die Natur.
In seinen Versen beschreibt er die Blumen und Tiere, den Fleiß der Bienen ebenso wie das Wachsen des Weizens. Für den Dichter ist das alles ein Hinweis auf Gottes Güte und ein Gleichnis für das eigene und sogar für das ewige Leben. Wenn es schon hier auf der Erde so schön blüht und wächst, wie viel schöner wird es dann erst mit Christus im himmlischen Paradies sein. So fragt Paul Gerhardt in einer der Strophen seines Liedes.

Er bleibt aber nicht bei der Betrachtung der wunderschönen Natur stehen. Vielmehr wünscht er für sich selbst von Gott dem Schöpfer so einen Segen, „der vom Himmel fließt“ für das eigene Leben. Nicht nur auf den Feldern und in den Gärten sollen die schönen Früchte wachsen, sondern durch den Glauben auch im eigenen Leben. Er singt darum aus vollem Herzen: „Gib, dass der Sommer deiner Gnad in meiner Seele früh und spat viel Glaubensfrüchte ziehe.“

Paul Gerhardt weiß und glaubt: Dass etwas wächst an Gaben und Vielfalt, ist in der Natur ebenso Geschenk und Gnade wie im eigenen Leben.

Deshalb ist auch dieser Sommer voller Gnade, mit geschenkten Lebenstagen, die wir aus Gottes Händen empfangen haben.

Dr. Detlef Klahr
Regionalbischof i.R.