Besonderheiten

Der „Krumminer Kelch“, ein spätgotischer Abendmahlskelch mit reichen Verzierungen in Drahtemail, befindet sich als Dauerleihgabe in der Mittelalterausstellung des Landesmuseums in Greifswald. 
Der „Krumminer Marienaltar“, ein spätgotischer Schnitzaltar (mit Malflügeln) zum Thema der Heiligen Sippe, kam 1938 zur Restaurierung in das Landesmuseum Stettin und befindet sich dort mit den vier Szenen „Heilige Sippe“, „Verkündigung an Maria“, „Anbetung des Kindes“, „Beschneidung im Tempel“ in der ständigen Ausstellung.
Von 1827-1844 war Wilhelm Meinhold, der Autor des Romans „Die Bernsteinhexe“ und weiterer Veröffentlichungen, Pfarrer in Krummin.
Die Kirche St. Michael ist die einzige erhaltene ehemalige Klosterkirche auf der Insel Usedom. Die Lage der Kirche auf einem Hügel am Achterwasser macht die Einheit von Landschaft und Baukunst sichtbar. Die Lindenallee nach Krummin ist ein besonderes Naturdenkmal.

 
Kloster Krummin
auf der Insel Usedom
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Aus den Klosterurkunden ist ersichtlich, dass die Kirche mit mehreren Altären ausgestattet war. Erhalten hat sich in Teilen der Marien- oder Sippenaltar, der nach 1500 in einer Stralsunder Werkstatt geschnitzt wurde. Er befindet sich in der Dauerausstellung des Stettiner Museums. Um 1400 wird ein wundertätiges Mechthildenbild erwähnt, das viele Pilger nach Krummin zog und durch Abt Heinrich von Pudagla entfernt wurde. Möglicherweise handelte es sich um eine Darstellung der Mystikerin Mechthild von Hakeborn aus dem Zisterzienserinnenkloster Helfta. In Zinnowitz unterhielt das Kloster eine Wallfahrtskapelle der Maria als Himmelskönigin (nach der Reformation zerstört).
Die Besitzungen des Klosters erstreckten sich über den Westteil der Insel hinaus auf das Festland um Wolgast bis hin nach Greifswald, dazu kamen die Fischereirechte im Achterwasser. Pacht- und Zinswirtschaft bildeten neben der Eigenwirtschaft auf dem großen Klostergut in Krummin die wichtigsten Einnahmequellen. Das Kloster besaß drei Mühlen, einen Krug in Ziemitz, Rohrpachten, zwei Häuser in Wolgast und war beteiligt an der Wolgaster Fähre und am Heringshandel mit Schonen.
Dem Bischof von Kammin hatten die Nonnen Zwirnhandschuhe zu liefern, was auf die Herstellung spezieller Paramenten schließen lässt.

Im Jahre 1563 wurde das Kloster aufgelöst und die Besitzungen kamen an das Amt Wolgast.
Im 19. Jh. baute Heinrich von Corswant das Gutshaus (Klostergut) zu einem zweistöckigen Herrenhaus mit dreiachsigen Seitenrisaliten um. Die Kirche erhielt 1855/62 einen neogotischen Westturm und zwei Querbauten nach Entwürfen von Friedrich Wilhelm IV. und im Innern u. a. die Patronatsloge mit dem Wappen der Corswants. Nach 1945 verfiel das Gutshaus. In den 90er Jahren entstand aus dem Nordflügel ein Hotelbau, dessen Fassade an die ehemalige Schlossarchitektur anknüpft.

1992/93 erfolgte eine Bausanierung der Kirche, die farbigen Rundfenster mit christlichen Symbolen gestaltete der Stralsunder Künstler Hermann Lindner. Aus dem Mittelalter ist noch das große Kruzifix (Stralsunder Werkstatt, um 1500) über dem Altar erhalten.


Das ehemalige Zisterzienserinnenkloster Krummin

Im Jahre 1295 wurde Pommern geteilt und Bogislav IV. plante als Herzog von Pommern-Wolgast die Gründung eines Frauenklosters in der Nähe seiner Residenz. Seine Wahl fiel auf Krummin im Lande Bukow (Nordwesten der Insel Usedom), das mit der seit 1230 bestehenden Kirche St. Michael, mit seiner idyllischen Lage am Südhang zum Achterwasser und mit dem Flüsschen Fagnitz die idealen Voraussetzungen für ein Kloster der Zisterzienser bot. Krummin war auf dem Wasser- und Landweg in der Nähe der alten Handelsstraße gut zu erreichen und dennoch abgeschieden.

Die Gründung erfolgte mit Hinblick auf die geistliche Laufbahn seiner Tochter Jutta, die als junge Nonne im Zisterzienserinnenkloster Wollin erzogen wurde. Im Jahre 1302 schenkte der Herzog der Nonne Jutta und dem Wolliner Konvent das Land Bukow und das Patronatsrecht über die Kirche in Krummin unter der Voraussetzung, dass dort ein Tochterkloster entstehen sollte. Im Jahre 1305 gewährte Bischof Heinrich von Kammin allen, die den Bau des Klosters unterstützten, einen 40tägigen Ablass. Ebenfalls 1305 erfolgte die Teilung der Güter zwischen den beiden Klöstern und die Ablösung des Tochterklosters vom Mutterkloster Wollin. Die erste Äbtissin war Barbara Gräfin zu Gützkow. Von 1323 bis 1336 stand die Äbtissin Jutta, Prinzessin von Pommern-Wolgast, dem Konvent vor. Als zweite pommersche Prinzessin ist Elisabeth von 1442 bis 1455 Äbtissin in Krummin gewesen und wurde dann Äbtissin im Kloster Bergen auf Rügen. Über viele Jahrzehnte haben Priorinnen aus dem Landadel den Konvent geleitet. Besonders eng waren die Beziehungen der Familie von Lepel vom Gnitz zum Krumminer Kloster.

Die Kirche war ein einfacher Saalbau mit geradem Chorschluss, der um 1260/70 in Backstein auf Feldsteinsockel und Feldsteinkern wohl unter dem Patronat des Ritters Heinrich Voss erbaut wurde. Im 15. Jahrhundert wurde der spätgotische Polygonalchor im Drei-Achtel-Schluss errichtet. Zwischen den gestuften Strebepfeilern waren große zweibahnige Spitzbogenfenster eingelassen. Die Klosterbauten wurden im 30jährigen Krieg zerstört; sie befanden sich vermutlich an der Südseite des Kirchenschiffes.
Zeittafel

1230 Erwähnung der Kirche St. Michael
1260/70 Bau der Pfarrkirche in Backstein unter Johann Voss
1302 Klostergründung als Tochterkloster von Wollin durch Bogislav IV.
1305 Ablösung vom Mutterkloster u. Eigenständigkeit
Um 1400 Erwähnung als Wallfahrtsort (Mechthildenbild)
Um 1450 Bau des spätgotischen Polygonalchores
1563 Auflösung des Klosters, St. Michael als Pfarrkirche
1618/48 im 30jähriger Krieg Zerstörung der Klosteranlagen
Um 1855 Neogotischer Westturm u. Querbauten nach Friedrich Wilhelm IV.
1993 Sanierung der Kirche u. Wiederherstellen der Ziegelsichtigkeit
2005 mit 700-Jahr-Feier erstmalige Würdigung des Nonnenklosters u. Aufbau einer ständigen Ausstellung auf dem Kirchengelände

Publikationen

„700 Jahre Kloster Krummin - eine Spurensuche“,
Broschüre zum Klosterjubiläum 2005
Hrsg: Dirk Zache, Evangelische Kirchengemeinde Krummin/Karlshagen

Karla Bilang, Kloster der Zisterzienserinnen und Kirche St. Michael in Krummin auf Usedom, Buchveröffentlichung, 192 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 2008
Hrsg: Martina Gehlhaar, Evangelische Kirchengemeinde Krummin/Karlshagen

zu beziehen über folgende Mail-Adresse:
krummin@kirchenkreis-greifswald.de
Kopf der Maria Kleophas, Detail aus dem Krumminer Marienaltar, zwischen 1505 und 1515 in einer Stralsunder Werkstatt gefertigt, heute im Nationalmuseum Szczecín (Stettin)
Der Krumminer Abendmahlskelch mit Drahtemail, um 1500, heute im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald
Die ehemalige Klosterkirche St. Michael, Ansicht von Nordosten
http://www.kirchenkreis-greifswald.de