Wer heute ein altes Kloster besucht,
sei es ein aktives Kloster eines Ordens oder eine Kirche, ein Kreuzgang oder eine Ruine,
oder auch nur die Bilder dieser Homepage betrachtet,
der spürt, dass da noch mehr ist als nur ein Ort der Ruhe und der Besinnung.

Besinnung worauf?
Was können uns die Orte der Zisterzienser für unser heutiges Leben bedeuten?
Insbesondere wenn wir aufgeklärte Protestanten sind
oder mit Religion nichts mehr anfangen können oder wollen?

In dem Buch über unsere Gemeinschaft schreibt der Abt
des evangelischen Klosters Loccum sinngemäß:
"Wir sind jene unglaubliche Endstufe der Evolution, durch welche der Kosmos sich selbst wahrnimmt.
Und wir wissen doch nicht, ob das diesen Kosmos oder ggf. seinen Schöpfer interessiert.
Wir wissen nicht, wofür dieser Kosmos da ist, wofür wir da sind, ob wir gewollt sind,
oder ob wir sinnlose, den Sternschnuppen ähnliche Existenzen sind,
die aufleuchten und verglühen,
und denen kein Gott eine Träne nachweint."


Menschen können mit solcher Ungewissheit nicht leben,
deshalb hat jede Zeit und jede Kultur versucht, Antworten zu finden.
Es gibt ein menschliches Bedürfnis nach Erklärungen,
die zusammengefasst eine Weltanschauung, eine Religion ergeben können.
Der Mensch sucht eine Weltbeziehung, die durch die Metapher Paradies ganz gut beschrieben ist.


Das Paradies ist die Idealisierung unserer Wertvorstellungen.
Der heutige Mensch möchte sein Paradies hier und jetzt. Er versteht sich als Macher.
"Als sie das Ziel ihres Lebens aus den Augen verloren hatten,
verdoppelten sie ihre Geschwindigkeit."


Die Zisterzienser,
hier stellvertretend auch für Nonnen und Mönche anderer Orden und anderer Zeiten,
haben eine eigene Antwort gefunden, die ganz anders aussieht: "Bete und arbeite".
Das Gebet ist nicht der Notanker für den Fall, dass die Arbeit nicht zum Erfolg führt,
es steht bewusst an erster Stelle, von ihm geht die Orientierung aus für die Arbeit.

Es waren junge Adlige des 12. und 13. Jahrhunderts mit besten Karriere-Aussichten,
die sich dem Establishment ihrer Zeit radikal verweigert und entzogen haben,
die auf Wohlstand, Macht und Lebensfreuden verzichtet haben,
um in einer "Familie Gottes" aus der Wildnis ein Paradies zu schaffen
unter Einsatz ihres Könnens, ihres Willens, ihres Verstandes, ihrer Hände Arbeit.
Ein Lebenskonzept, das dem unseren entgegengesetzt scheint...

Wo die Ergebnisse dieses Glaubens, dieser Arbeit erhalten geblieben sind,
erfüllen sie uns mit Staunen und Bewunderung,
wir haben das Gefühl, zu unseren Wurzeln zu finden,
zu Ruhe, Harmonie und Schönheit, zu schlichter Einfachheit.


Die Zeit ist darüber hinweg gegangen. Das Bürgertum, die Städte, die Hanse,
die Entdeckung der Neuen Welt, Schießpulver und Buchdruckerkunst,
die Reformation, die Aufklärung, Absolutismus und Säkularisierung,
die Industrialisierung, die Kriege, die Kommerzialisierung, die Globalisierung,
all dies war in der Welt der frühen Zisterzienser nicht vorgesehen.

Aber wer heute in einer Gemeinschaft von Zisterzienser-Erben
zum Beispiel an den Stundengebeten eines Jahrestreffens teilnimmt
und singend durch den Kreuzgang in die Kirche einzieht, der spürt,
dass der Glaube der Zisterzienser auch uns existenziell viel sagen kann.


Und was?
Man kann sich von dieser Frage leiten lassen und auf die Suche gehen,
sich darauf einlassen, ohne die Antwort schon vorher zu kennen ...
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